Call for Papers Tagung 2027: Unter Druck. Arbeit im politischen Diskurs der Gegenwart

Zur kommenden Arbeitstagung der DGEKW-Kommission Arbeitskulturen ist ein Call for Papers bis 8. November 2026 geöffnet. Informationen zu Thema und Einreichung Ihrer Vorschläge für die geplante Tagung am 25./26. Februar 2027 in Saarbrücken finden Sie hier.

Unter Druck. Arbeit im politischen Diskurs der Gegenwart

22. Arbeitstagung der DGEKW-Kommission Arbeitskulturen, 25./26. Februar 2027

Graduate Center der Universität des Saarlandes, Saarbrücken

In den vergangenen Jahren steigt der empfundene wie erfahrene Druck auch in den privilegierten Gesellschaften Europas. Politische Entscheidungen und dadurch bedingte Kriege, Konflikte und andere Multi-Krisen lassen den Ölpreis weltweit in die Höhe schnellen. Wachsende Kosten durch Zölle und andere Unterbrechungen globaler Lieferketten treiben die Inflation voran. Im Alltag gilt es immer mehr Anforderungen gleichzeitig zu bewältigen. Der Wohnungsmarkt ist vielerorts angespannt. Die soziale Schere geht auseinander. Ebenso werden Effekte des Klimawandels immer deutlicher spürbar. Die Digitalisierung führt zu weitreichenden Transformationen jenseits nationaler Grenzen.

Die Herausforderung, komplexe Entwicklungen zu moderieren und ökonomische Systeme nachhaltig umzubauen, besteht nicht nur in Europa, sondern in allen Ländern der Welt. Dennoch genügt ein Blick in die Nachrichten, um festzustellen, dass die Vermittlung von vielschichtigen Problemdynamiken nicht das Gebot der Stunde ist. Vor allem in den sozialen Medien wird nach einfachen Erklärungen verlangt. Zugleich wird Gruppen und Individuen via Rassismus und Menschenfeindlichkeit diffuse Schuld zugewiesen. Insbesondere rechten Populist:innen gelingt es, ökonomisches und politisches Kapital aus dem Gefühl von Anspannung und Überwältigung zu schlagen.

Was heißt es, wenn sich Lebensbedingungen zunehmend schwieriger gestalten und/oder als solche wahrgenommen werden? Arbeit markiert eine zentrale Schnittstelle, an der beobachtet werden kann, wie mit Druck umgegangen wird und sich ideell, sozial und materiell auswirken kann. Arbeit ist gleichzeitig Gegenstand politischer Debatten. Die Rede ist von Krankenständen, die gesenkt werden müssten, Rentenzahlungen, die nicht mehr geleistet werden könnten, dem 8-Stunden-Tag, der nicht mehr zu halten sei, oder dem Sozialstaat, der in dieser Form nicht mehr bestehen könnte. Arbeitnehmer:innen in Teilzeit wird zudem ihre Arbeitsmoral abgesprochen. Druck, so lässt sich beobachten, wird kulturell erzeugt und erfahrbar gemacht. Auch in der Vergangenheit war Zwang immer wieder Thema in Beschäftigungsverhältnissen.

Im Rahmen der 22. Tagung der Kommission für Arbeitskulturen in der DGEKW wird Arbeit als ökonomische Kategorie und als diskursives Feld verstanden. Entsprechende Fragen knüpfen daran an: Wer oder was schafft Druck und wird im Alltag als Problem empfunden (Prekarisierung, Flexibilisierung, Entgrenzung, Gig Work u.a.)? Wie wird Anspannung wahrgenommen?  Wie wird Stress im Hinblick auf Arbeit erzeugt?

Zum einen geht es um lebensweltliche Realitäten von Arbeitnehmer:innen:

  • Die Digitalisierung beeinflusst immer substanzieller, wie, wo und was gearbeitet wird. Arbeitswelten sind in Bewegung, neue Jobs, Berufe und Ausbildungswege entstehen. Die Materialität von Arbeit verändert sich.
  • Aufgaben bleiben, können aber kaum bewältigt werden. Der Mangel an qualifizierten und nicht qualifizierten Arbeitskräften nimmt zu und ist in vielen Bereichen des täglichen Lebens wie der Gastronomie bereits eklatant. Bis dato haben jedoch weder die Bundesregierung noch die EU oder einer ihrer Mitgliedsstaaten ein tragfähiges Konzept, um dringend benötigte Migration zu ermöglichen. Kein Krankenhaus, kein Pflegeheim, keine Baustelle in Deutschland würde ohne Zuwanderung funktionieren. Die Anerkennung von Abschlüssen wird trotzdem mit Problemen behaftet, Arbeitnehmer:innen erleben Anfeindungen.
  • Digitalisierung, Fachkräftemangel, Migrationspolitik und Rassismuserfahrungen sind nicht getrennt voneinander zu sehen, sondern über den Topos Arbeit miteinander verbunden.
  • Die berufliche Situation von Geisteswissenschaftler:innen wird prekärer, wenn an Bildungsträgern, Vermittlungsprogrammen und Kulturinstitutionen gespart wird. Auch an dieser Stelle wächst der Druck.

Zum anderen geht es um Diskursverschiebungen, die im Zuge geplanter Reformen derzeit von Seiten der Bundesregierung und im Interesse privatwirtschaftlicher Unternehmen vorangetrieben werden.

  • Care-Arbeit wird problematisiert und durch Gesetzesänderungen weiter erschwert. Alleinerziehende werden für ihre Situation selbst verantwortlich gemacht. Derartige Maßnahmen oder auch die Rede davon erhöhen den Druck vielfach in ohnehin angespannten Situationen.
  • Jasmin Fahimi, Vorsitzende des DGB, spricht von Errungenschaften, für die lange gekämpft worden ist, bevor sie nun massiv in Frage gestellt werden. Welche Vorstellungen von Arbeit und Gesellschaft lassen sich aus der Debatte herauslesen?
  • Wie hängen Zukünfte mit gegenwärtigen Entscheidungen zusammen?
  • Wann war bereits in der Vergangenheit von Druck die Rede? Mit der Industrialisierung sind Kämpfe um eine Verbesserung der Bedingungen. Im Nationalsozialismus wurde Zwangsarbeit als Form von Gewalt eingesetzt. Eine sich verändernde ökonomische Lage, rassistische Ressentiments und politische Entscheidungen haben 1973 zum Ende der Anwerbeabkommen in der Bundesrepublik geführt.
  • Wie werden solche Themen medial ausgehandelt?
  • Wie und wo formieren sich andere Positionen?

Mit dem vorgestellten Ansatz soll die Tagung dazu beitragen, Arbeit explizit politisch zu verstehen und Konstellationen aufzumachen, in denen die Komplexität gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse sichtbar wird. Mögliche Themen und Fragestellungen ergeben sich aus den vorgestellten Überlegungen, gleichzeitig lassen sich Überlegungen anschließen.

Wenn Sie sich am Programm beteiligen wollen, reichen Sie bitte bis 8.11.2026 ein maximal halbseitiges Abstract und einen maximal halbseitigen CV ein.

Die 22. Arbeitstagung der DGEKW-Kommission für Arbeitskulturen findet im Graduate Center der Universität des Saarlandes auf dem Campus Saarbrücken statt.

Rückfragen und Beitragsvorschläge senden Sie an simone.egger[at]uni-saarland.de.

Beitragsbild: Unsplash-Lizenz von ThisisEngineering auf Unsplash